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Ohne Namen, 2025

Stickerei, Fotomontage, Print auf Polyester-Fahnenstoff
140 × 140cm

 

Dieses Werk basiert auf der früheren Arbeit «Fahne im Wind» aus dem Jahr 2022: einer abstrahierten Schweizer Fahne, deren weisses Kreuz auf rotem Grund in Bewegung erscheint. Auf diese Flagge, gestickt eine Figur, die an die ikonografische Nationalallegorie der Helvetia erinnert. Beide Bildebenen – das nationale Emblem und die an Helvetia angelehnte Frauenfigur – sind formal und inhaltlich dekonstruiert.
Die Stickerei – ein historisch dem „weiblichen“ Handwerk, der Intimität des Privaten und der reproduktiven Arbeit zugeordnetes Medium, wird hier als künstlerisch-politisches Werkzeug eingesetz. Die Stickerei entsteht in jenen Stunden, in denen zu Hause Care-Arbeit geleistet wird – als Handlung zwischen Fürsorge und Widerstand, indem Zeit, die im Privaten verschwindet, sichtbar gemacht wird.  
Mit dieser Arbeit wird das Prozesshafte, Wiederholende und Langsame betont – Qualitäten, die in der kapitalistischen Logik von Effizienz und Produktivität als hinderlich gelten – und stellt diese zugleich als notwendige und wertvolle Aspekte heraus.
Die dargestellte Figur will sich einer eindeutigen Zuschreibung entziehen. Ihr Gesichtsausdruck verweigert die gewohnte Zuversicht, ihre Geste bleibt uneindeutig. Der ikonografische Bezug zur Nationalfigur wird gebrochen; statt Stärke, Erhabenheit und Zuversicht vermittelt die Darstellung – ebenso wie die Tätigkeit des Stickens – Intimität, Verletzlichkeit, Nähe und Rückzug. Die Rolle als mütterliche, schützende und fürsorgliche Instanz, symbolisiert ein Land, das ihre Bürger*innen schützt und ihnen Geborgenheit schenkt. Sie repräsentiert die Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung – für ein Volk. 


 

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