Fahne im Wind, 2022

6 Fahnen 100cm x 100cm an Fahnenmasten in Privatgärten
Polyester-Fahnenstoff

Haus und Garten gelten als privater Raum. Der Fahnenmast mit Flagge im privaten Garten dient als Schnittpunkt zwischen privatem und öffentlichem Raum. In der Regel wird dabei eine nationale Zugehörigkeit statuiert. Die liminale Position der Flagge lässt sich nicht klar einer Seite zuordnen.

Das Recht hier ein sichtbares Zeichen zu setzen, ist dem*der Grundstückbesitzer*in vorenthalten. Durch das Eigentum besteht die Möglichkeit, aus dem privaten Bereich heraus in den öffentlichen Raum hineinzuwirken.

Zentraler Punkt von «Fahne im Wind» ist das Unterfangen, die Fahnenmasten zu übernehmen und eigene Motive aufzuhängen.

Bereits die Gespräche, die mit den Grundstückbesitzer*innen geführt werden müssen, sind künstlerische Intervention. Sie sind dazu aufgefordert, ihren Raum zur Verfügung zu stellen. Die Aneignung dieses privaten Raums für eine temporäre Umdeutung dieser gesellschaftlich kodierten Kommunikationsplattform, steht dabei im Zentrum. Wer oder was zeigt sich mit dem Anbringen der Fahnen an den Masten? Auf was oder wen verweist das Statement auf der Flagge? Wie werden Blicke geprägt? Sind Besitzansprüche an dieser Plattform vorhanden? Was kann über die Flagge gesendet werden und für wen ist es bestimmt?

Das Motiv auf den Fahnen an den Masten ist mehrheitlich genormt. Es handelt sich dabei um Wappen, die der Wissenschaft der Heraldik zugrunde liegen. Heraldische Regeln sollen eine eindeutige Wiedererkennung begünstigen.

Die designten Motive brechen den von den heraldischen Regeln geschulten Blick. Das Motiv verweist auf eine vom Winde verwehte Schweizer Flagge. Eine Störung des gewohnten Blicks wird verursacht. Obwohl das Motiv weiterhin auf das Schweizer Nationalwappen hindeutet, bietet es die Möglichkeit, Bewegung und neuen Sichtweisen Raum zu geben. Verweist die Flagge auf den Privatraum? Die Irritation im Motiv bietet an, Fragen über Gewohnheit aufzuwerfen.

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